Brücke und Mauer des Mandopop-Tourings: Ein Blick in die Allianz IMC Group Asia–CMC Live

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Am 21. August 2026 unterzeichneten IMC Group Asia, ein in Singapur ansässiges Live-Entertainment-Unternehmen, und CMC Live (华人文化演艺) im BPM Live Space im Chengdurer Park Eastern Suburb Memory eine tiefgreifende strategische Partnerschaft. Geplant ist, die Mandopop-Inhalte von CMC Live mit der Produktions- und Touring-Infrastruktur von IMC in Asien und darüber hinaus zu verknüpfen und den Auslandsmarkt für chinesischsprachige Musik gemeinsam zu erschließen (Partnerschafts-Mitteilung).

IMC Group Asia und CMC Live unterzeichnen ihre strategische Partnerschaft im BPM Live Space in Chengdu

Die Pressemitteilung ist triumphal gestimmt — von „durchbruchartiger Kooperation“ ist die Rede, von einem „historischen Moment“ und einem „neuen Kapitel“. Blendet man die Rhetorik aus, steht die Allianz jedoch genau zwischen zwei Realitäten des chinesischen Live-Musikgeschäfts: Der Inlandsmarkt für Großveranstaltungen wächst nach wie vor rasant, doch keines der alten Probleme beim Export von Mandopop ist gelöst. Ob die Brücke tatsächlich gebaut und die Mauer eingerissen wird, lohnt sich zu prüfen — mit allen Karten der beiden Unternehmen und den Marktdaten auf dem Tisch.

Zwei Unternehmen, zwei Kompetenzen

Zunächst zu CMC Live: Unternehmensregister und Medienberichte zufolge wurde das Unternehmen im Januar 2018 von Li Ruigang, dem Vorsitzenden von CMC Inc. (华人文化), als Kapitalallianz gegründet, die Chinas führende Provinz-Konzertveranstalter bündelt — bei Gründung über 20 lokale Promoter, laut aktueller Mitteilung mittlerweile 23 Tochtergesellschaften in fast 70 Städten. Zu den Künstlern mit Exklusiv- oder engen Partnerschaften zählen Mayday, Jonathan Lee, Richie Jen, G.E.M. und Li Ronghao; die hauseigene Ticketing-Plattform Fenwandao (纷玩岛) ist zudem offizieller Ticketing-Partner der Tourneen von Mayday, Rene Liu und Jackson Wang. Kurz: Das landesweite Vor-Ort-Netzwerk — Genehmigungen, Ticketing, Steuern, lokale Umsetzung — ist die Kernkompetenz.

CMC Lives landesweites Promoter-Netzwerk soll mit IMCs Produktions- und Touring-Kompetenz verknüpft werden

Bei IMC Group Asia ist die öffentliche Spur deutlich dünner; das meiste, was bekannt ist, stammt aus eigener Darstellung: Hauptsitz in Singapur, Teams in Chengdu, Hongkong, Kuala Lumpur und Bangkok; Touring-Reichweite bis nach Nordamerika, Ozeanien und Europa; behauptete Kooperationen mit Angela Chang, Jay Chou, Jolin Tsai und Faye Wong; nach eigenen Angaben über 800 veranstaltete Shows und mehr als 16 Millionen verkaufte Tickets. Das Unternehmen betreibt zudem den BPM Live Space in Chengdu. Sämtliche Zahlen sind selbst berichtet und lassen sich nicht unabhängig gegenprüfen — ein Vorbehalt, den man beim Lesen der Mitteilung im Hinterkopf behalten sollte.

Nach der in der Mitteilung beschriebenen Arbeitsteilung wird CMC Live Hauptveranstalter der IMC-Shows in China, während IMC sich auf Produktion und den Aufbau ausländischer Kanäle konzentriert. IMCs Chief Operating Officer Song Youshun formulierte es so: „Mit CMC Live als Hauptpromoter unserer Shows in China kann sich IMC stärker auf die Konzertproduktion konzentrieren und mit mehr Künstlern zusammenarbeiten.“ (aus dem Chinesischen übersetzt)

Aufschwung im Inland, Aufschwung weltweit

Die Allianz wurde in einem Moment verkündet, in dem die Zahlen gut aussehen.

Laut der Marktübersicht 2025 der China Association of Performing Arts erreichte die Gesamt-Boxoffice-Einnahme kommerzieller Auftritte 2025 rund 61,66 Mrd. ¥, ein Plus von 6,39 % im Jahresvergleich; davon entfielen auf große kommerzielle Shows ab 5.000 Plätzen etwa 3.000 Veranstaltungen mit 43,39 Mio. Besuchern und 32,45 Mrd. ¥ Boxoffice, ein Anstieg um 9,49 % (People's Daily, 14. Januar 2026). Das erste Halbjahr 2026 zog noch weiter an: 1.300 Großveranstaltungen (+13,06 %), 23,28 Mio. Besucher (+20,37 %), 17,11 Mrd. ¥ Boxoffice (+17,7 %) — während die Gesamtzahl kommerzieller Auftritte landesweit nur um 1,96 % wuchs. Ein klares Zeichen dafür, dass sich die Umsätze in großen Konzerten und Festivals konzentrieren.

Der globale Livemarket gilt weithin als weiterhin wachsendes Terrain

International zeichnen Daten der Forschungsfirma Omdia (Global Live Music Forecast, zitiert in Fachmedien) ein ähnliches Bild: Die weltweiten Ticketumsätze von Konzerten und Festivals überstiegen 2025 die Marke von 40 Mrd. US-Dollar und sollen bis 2030 die 50-Mrd.-Dollar-Grenze überschreiten, wobei die USA der größte Einzelmarkt bleiben. Mit einem umkämpften Heimatmarkt und wachsendem Weltmarkt ist der „Gang ins Ausland“ von einem Gefühl zur schlichten Rechnung geworden.

Die Datensätze haben freilich auch Einschränkungen. Wie die Verbandsübersicht und mehrere Medien anmerken, verschiebt sich das Ausgabeverhalten vom Star-Kult hin zu diversifizierten Erlebnissen; das Wachstum der Veranstaltungszahl (1,96 %) hinkt dem Boxoffice-Wachstum (9,41 %) deutlich hinterher — das Wachstum beruht also auf Preisen pro Show und Headliner-Projekten. Für ein Geschäftsmodell, das Headliner exportiert, ist das zugleich Chance und Decke.

Die Mauer: Kosten, Umsetzung, Sprache

Erwähnenswert: Die drei Manager beschrieben die Mauern in der Mitteilung ziemlich offen.

Die erste Mauer sind Kosten und Umsetzung. IMC-Chef Liang Shengjie sagte, Chinas Fähigkeiten in der Großproduktion hätten „jedes andere Land überholt“, doch „eine Show gleicher Qualität ins Ausland zu bringen, schafft massive Logistikprobleme — enorme Schwierigkeiten beim Aufbau und bei den laufenden Kosten durch den Mietzähler der Venue“. (aus dem Chinesischen übersetzt) Hohe Landekosten, schwer steuerbare Fernumsetzung, verstreute Auslandsressourcen, unkontrollierbare Abläufe — diese Branchenschmerzen existieren seit Jahren, und die meisten Künstler, die im Ausland touren, haben es bisher allein durchgestanden.

Die Lücke zwischen Chinas Produktionsstandards und den Kosten, sie im Ausland umzusetzen

Die zweite Mauer sind Sprache und Publikum. CMC-Live-Chef Hong Di nannte Jackson Wang als Blaupause für Erfolg: Erstens kam er aus einer K-Pop-Boygroup und brachte einen eingebauten internationalen Fanbase mit; zweitens ist das Gros seines Repertoires englischsprachig, was die Hürde für ausländische Hörer senkt. Das passt zu Wangs Vita — er war der erste chinesische Solo-Künstler, der beim Coachella auftrat (2022 Debüt, 2023 Rückkehr), und seine MAGICMAN-Tourreihe erreichte die Barclays Center in Brooklyn, eine große US-Arena.

Es gibt auch Bewegung. Zhou Shens Welttournee „9.29Hz“ 2025 zeichnete einen Pfad, der nicht auf ein englischsprachiges Repertoire setzte: Auslandsstopps waren unter anderem Las Vegas und Seattle in den USA, Toronto in Kanada, Melbourne und Sydney in Australien sowie Kuala Lumpur in Malaysia — dort spielte er zwei Abende in Folge in der Axiata Arena, jeweils über drei Stunden lang (Wikipedia-Seite zur Tournee; Lianhe Zaobao, April 2025). Ende des Jahres wurde er zudem der erste festlandchinesische Sänger mit einem Solokonzert im Kai Tak Sports Park in Hongkong. Wie Hong Di es formulierte: Ausländische Zuschauer „verstehen vielleicht kein Chinesisch, aber sie können die Musik trotzdem verstehen“ (aus dem Chinesischen übersetzt) — räumte aber ein, dass dies vorerst die Ausnahme bleibt.

Zhou Shen und Jackson Wang: Beweis, dass mandarinsprachige Shows im Ausland funktionieren können

Die dritte Mauer ist subtiler: die Struktur des Publikums. Drei Tage nach der Unterzeichnung sagte Song Youshun gegenüber der Finanzredaktion der China News Service Klartext: In Singapur, Malaysia, Auckland, Melbourne und Vancouver — Städten mit konzentriertem chinesischem Publikum — finden chinesische Künstler leicht Anklang, doch der Eintritt in Mainstream-Märkte anderer Sprachen bleibt eine ernste Herausforderung. Mit anderen Worten: Das heutige „Gang ins Ausland“ bedient überwiegend die weltweit verteilten chinesischen Zuschauer, statt wirklich in lokale Mainstreams einzubrechen.

Am anderen Ende der Brücke: die Konkurrenz

Im Branchenkontext betrachtet wurde die Allianz nicht im luftleeren Raum geschlossen.

Das Modell des Mandopop-Exports wandelt sich vom „Einzelkämpfertum“ der Künstler zu institutionalisierten „Team-Expeditionen“ — dieselbe Rahmung, die auch die 21st Century Business Herald bei der Analyse chinesischer Musikplattformen im Ausland verwendete. Die Arbeitsteilung zwischen IMC und CMC — der eine öffnet globale Kanäle, der andere liefert Inhalte — verwandelt im Kern die Ad-hoc-Lieferketten früherer Auslandstourneen in einen standardisierten, replizierbaren Apparat.

IMC übernimmt die globalen Kanäle; CMC Live liefert die mandarinsprachigen Inhalte

Doch in denselben Gewässern holen die Ruder der internationalen Giganten auf. Live Nation hat sein Gewicht in Asien kontinuierlich ausgebaut: 2023 übernahm das Unternehmen Hongkongs großes Festival Clockenflap, im Oktober 2025 folgte eine strategische Partnerschaft mit Trip.com Group für „Konzert-plus-Reise“-Produkte in Hongkong und Macau, Singapur, Thailand, Südkorea und Festlandchina. Für chinesischsprachige Content-Eigentümer kann eine Allianz mit einem Regionalakteur den Weg nach draußen beschleunigen — und womöglich später bedeuten, in Asien direkt auf die internationalen Systeme zu treffen. Die Allianz ist zugleich Angriff und Verteidigung (Einschätzung des Autors).

Dann ist da noch die Frage, die die Mitteilung nicht beantwortet: die Struktur des Deals. Die Ankündigung nennt weder eine Kapitalbeteiligung noch eine Eigenheimbeziehung, kein erstes Projektpaket, keine Künstler, keine Zeitpläne. Zahlen wie „800 Shows und 16 Mio. Besucher“ stammen von IMC selbst und sind nicht verifizierbar. Der Test dieser Partnerschaft ist erfrischend einfach: wann das erste gemeinsam veranstaltete Auslandskonzert stattfindet, wo — und wie die Karten laufen.

Fazit: Die Brücke ist im Bau, die Mauer steht, wo sie stand

Zurück zu der Zeile aus der Mitteilung, dies sei ein „historischer Moment für die chinesische Musik“ — ehrlich gesagt kann eine Presseankündigung diese Worte nicht tragen. Doch ohne die Rhetorik bleibt die Richtung nicht leer: Ein heißer Inlandsmarkt für Großveranstaltungen liefert die Inhalte, überseechinesische und nahe südostasiatische Märkte liefern die erste Publikumsschicht, und das alte Modell des Einzelkämpfertums verdient tatsächlich einen institutionellen Ersatz.

Was nur die Zeit prüfen kann, ist die Mauer. Logistikkosten, laufende Venue-Abrechnungen und Fernumsetzung verschwinden nicht durch zwei Unterschriften; die Distanz von Sprache und Mainstream-Märkten ist nach eigenem Eingeständnis der Partner vorerst „noch ziemlich schwierig“. Wie weit die Brücke trägt, entscheidet die Umsetzungsqualität der ersten gelandeten Projekte — nicht die Adjektive der Unterzeichnungszeremonie. Für die chinesische Live-Branche ist dieser Tag der Aufzeichnung wert; ein Urteil ist es viel zu früh.


Quellen

  1. 音乐先声 (Music First): „IMC Group Asia × CMC Live bündeln Kräfte für eine neue Ära des globalen Mandopop“ (2026-08-22) — Quelle der Pressemitteilung: Partnerschaftsinhalte, drei Zitate der Manager, Unternehmensprofile, Marktdaten
  2. Tencent News, Nachdruck der Partnerschafts-Mitteilung (2026-08-22) — Gegenprüfung des Unterzeichnungsortes, BPM Live Space im Eastern Suburb Memory in Chengdu
  3. People's Daily: „Nationale Boxoffice-Einnahmen kommerzieller Auftritte überstiegen 2025 61,6 Mrd. ¥“ (2026-01-14) — Marktübersicht 2025 der China Association of Performing Arts (kein direkter Link erhalten)
  4. People's Daily: „Großveranstaltungs-Boxoffice im ersten Halbjahr um 17,7 % gestiegen“ (2026-08-03) — CAPA-Halbjahresübersicht 2026: 1.300 Großveranstaltungen, 17,11 Mrd. ¥ usw. (kein direkter Link erhalten)
  5. Omdia, Global Live Music Forecast (zitiert von The Future Media, TelecomLead, Cyprus Mail) — globale Ticketumsätze 2025 über 40 Mrd. US-Dollar, Prognose über 50 Mrd. bis 2030 (kein direkter Link erhalten)
  6. Chinesische Wikipedia: Zhou Shen 9.29Hz World Tour — Auslandsstopps, Venues und der abgesagte London-Termin
  7. Lianhe Zaobao: Bericht über Zhou Shens Kuala-Lumpur-Konzerte (2025-04-17) — zwei Abende in Folge in der Axiata Arena (kein direkter Link erhalten)
  8. China News Service / Zhongxin Jingwei: „Welche Chancen und Herausforderungen haben chinesische Künstler bei Konzerten im Ausland?“ (2026-08-24) — Song Youshuns Folge-Interview zu Diaspora- vs. Mainstream-Märkten (kein direkter Link erhalten)
  9. Chinesische Wikipedia: Eintrag zu CMC Live — Gründung Januar 2018 durch Li Ruigang; Allianzstruktur (über mehrere Quellen gegengeprüft; nicht inline verlinkt)
  10. Berichterstattung von South China Morning Post und Billboard — Jackson Wangs Coachella-Premieren und die MAGICMAN-Tour in der Barclays Center (kein direkter Link erhalten)
  11. PR Newswire (2025-10-13): Trip.com Group × Live Nation Asia strategische Partnerschaft — „Konzert + Reise“-Offensive in Asien (kein direkter Link erhalten)
  12. Taiwan Creative Content Agency (TAICCA), Branchenrecherche (2023-12) — Live Nations Übernahme des Hongkonger Festivals Clockenflap (kein direkter Link erhalten)
  13. 21st Century Business Herald: über chinesische Musik im Ausland — die Rahmung vom „Einzelkämpfer“ zur „Team-Expedition“ (kein direkter Link erhalten)